Italienische Nacht – Schauspiel Stuttgart

Die Thematik von Ödön von HorváthsItalienische Nacht“, die 1931 uraufgeführt wurde, ist heute wieder top aktuell – denn das Stück zeigt die Blindheit der Demokraten vor dem aufziehenden Nationalsozialismus.

Handlung

Wir befinden uns im Jahr 1930, in einer süddeutschen Kleinstadt. Die Ortsgruppe des republikanischen Schutzverbands organisiert in einem Wirtshaus eine „Italienische Nacht “. Gleichzeitig wollen die Faschisten ihren Deutschen Tag mit einem Marsch und einer militärischen Nachtübung feiern. Doch davon möchte sich Ortsvorstand Stadtrat Ammetsberger (Elmar Roloff) die Italienische Nacht nicht verderben lassen.
Die Jugend ist besorgt: Allen voran der junge Genosse Martin (David Müller), der vor der nationalsozialistischen Entwicklung warnt und zum Kampf aufruft. Seine Freundin Anna (Paula Skorupa) soll als Spionin mit den Faschisten „anbandeln“, um an deren Pläne zu gelangen. Karl (Peer Oscar Musinowski), Martins Freund, möchte die italienische Nacht hingegen dafür nutzen, um die unpolitische Leni (Nina Siewert) zu verführen. Dem politischen Martin missfällt dies, weshalb er Karl die Freundschaft kündigt.  Anna findet währenddessen heraus, dass die Faschisten die Italienische Nacht auflösen und die Republikaner verprügeln wollen. Die Einzige, die sich den Nationalsozialisten tatsächlich entgegenstellt ist Adele (Christiane Roßbach), die Frau des Stadtrats. Von ihrem Ehemann in der Öffentlichkeit stets gedemütigt, bietet sie den Faschisten Paroli.

Fazit

Das Volksstück „Italienische Nacht“ ist politisch gesehen sehr aktuell, schon deshalb lohnt es sich, das Stück zusehen. Es warnt davor, sich auf den Lorbeeren der Demokratie auszuruhen und mahnt die Rechtspopulisten als ernste Gefahr wahrzunehmen.
Auch die Kulisse und Requisiten der Umsetzung von Calixto Bleito unterstreichen die Handlung sowie die aktuelle Lage der Politik. Das Bühnenbild erstreckt sich in eine ungeahnte Tiefe, das Licht ist kalt. Tische und Stühle der Festgesellschaft werden verschoben, werden zu Hindernissen oder zu Boden geworfen, trennen die Protagonist/innen räumlich. Diese wirken auf der Bühne stets isoliert – entweder in Gruppen, zu zweit oder alleine. Es sind immer alle Darsteller/innen zu sehen. Wenn sie gerade nicht spielen, stehen, sitzen oder liegen sie im Hintergrund, rauchend oder abwesend in die Ferne blickend. Eine gelungene Umsetzung – politisch, unterhaltend und warnend.

Fakten

Daue: ca. 2 Std, keine Pause
Weitere Termine: 03. Januar, 12. Januar, 07. Februar, 21. Februar, 12. März 2020.
Alle Infos sowie spannende Blicke hinter die Kulissen findest du hier: https://www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/a-z/italienische-nacht/

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