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Othello – Staatstheater Stuttgart

Ich war sehr gespannt auf Burkhard Kosminskis Inszenierung von „Othello“, denn Shakespeares  Dramen und Komödien stehen ganz weit oben auf meiner „Lieblingstheater“-Liste. Enttäuscht wurde ich auf jeden Fall nicht – auch wenn es keine klassische Umsetzung war.

Handlung

Im Mittelpunkt steht Othello, gespielt von Itay Tiran (geboren in Israel). Er ist Soldat und wird von allen nur als der „Fremde“ bezeichnet. Die Ausgrenzung Othellos rückt in der Inszenierung in den Vordergrund: Eigentlich müsste er in die militärische Gesellschaft integriert sein, denn er ist ein erfolgreicher General. Doch Akzeptanz findet er außerhalb des Schlachtfeldes nicht. Othellos Schwiegervater ist entsetzt als der Fremde seine Tochter Desdemona heiratet. Doch sie liebt Othello und gibt ihm trotz seiner Kriegstraumata Halt. Die Ehe scheint perfekt, bist Othellos Widersacher Jago, der sich vom Fremden in seiner Karriere übergangen fühlt, eine Intrige spinnt. Er behauptet, dass Desmonda ein Verhältnis mit Othellos Leutnant Cassio habe. Othello glaubt ihm – und erkennt die Wahrheit zu spät. Er tötet Desmonda und am Ende sich selbst.

Umsetzung

Rassismus, Ausgrenzung und Ablehnung des Fremden ist auch heute noch ein aktuelles Thema. Othello besitzt in Kosminskis Umsetzung zwar einen Dialekt, doch wurde alles was einen Hinweis auf seine Hautfarbe gibt, aus dem Text gestrichen. Es wird viel mit Videos und Kriegsbildern gearbeitet, die im Hintergrund projiziert werden und an Othellos Kriegstraumata erinnern. Daneben spielt auch die Musik eine große Rolle (den restlichen Abend hatte ich einen Ohrwurm von „Buffalo Soldier“ von Bob Marley. 😉 ) Die Requisiten beschränken sich auf Möbelstücke: ein Bett, Tische und Stühle, die während Othellos Wutanfällen auch mal durch die Luft fliegen. Doch die schlichte Kulisse reicht vollkommen aus, zeigt sogar an manchen Stellen Othellos Isolation.

Fazit

Es lohnt sich das Stück anzusehen. Auch wenn du nicht unbedingt ein Theatercrack bist, kannst du dem Stück gut Folgen und es bleiben keine Fragen ungeklärt. Die Handlung ist klar und geprägt von Shakespears typischen Motiven der Verwechslung und Intrige. TIPP: Die Staatstheater bieten auch bei diesem Stück vor Beginn der Vorstellung eine kurze Einführung in die Thematik an. Ebenso findest du auf ihrer Website Videomaterial und eine Audio-Einführung . TIPP am Rande: Für einen gelungen Abend empfehle ich eine „Inge“ (mit oder ohne Alkohol) an der Theaterbar zu trinken. 😉

Fakten

Dauer: ca. 2:00 h ohne Pause
Weiter Vorstellungen: 20. Juli, 13. Oktober und 23. Oktober
Weitere Infos und Tickets: https://www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/a-z/othello-schauspiel/