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Stuttgart Nord: Feuerbach

Als ich nach Feuerbach gezogen bin, hab ich von Freunden und Bekannten Kommentare gehört wie: „Feuerbach? Ist das nicht der hässliche Stadtteil im Stuttgarter Norden, der nur Industrie hat?“. Grund genug eine Tour durch den Stadtteil zu machen und mehr über die einstige Keltensiedlung zu erfahren.  Einen kleiner Überblick zur Geschichte Feuerbachs bekommst du in diesem Blogartikel.

Von der Keltensiedlung zum mittelalterlichen Dorf

Dass um 800 v. Chr. in Feuerbach Kelten siedelten, ist am Lemberg zu erkennen. Die dortige „Wolfsgrube“ diente nicht wie einst gedacht, zum Fangen von Wölfen, sondern ist ein Überbleibsel eines keltischen Verteidigungswalls. Aus dieser Zeit hat man keltische Keramik gefunden, die heute im Landesmuseum Württemberg ausgestellt ist. So lässt sich die Anwesenheit der Kelten in Feuerbach gut belegen.
Im Mittelalter war Feuerbach ebenfalls Siedlungsgebiet. Im 13. Jahrhundert thronte die Burg Frauenberg über dem Dorf. Nachdem die männliche Linie langsam ausstarb, verloren die Herren von Frauenberg immer mehr an Macht und die Burg wurde im 16. Jahrhundert schließlich abgetragen. Die Grundmauern sind allerdings noch sichtbar. Wissenswert: Steine der Burg kannst du in der Stuttgarter Stiftskirche sowie in der Stuttgarter Stadtmauer wiederfinden.  
Während der Pest zu Beginn des 16. Jahrhunderts sowie im Dreißigjährigen Krieg starben zahlreiche Feuerbacher und das Dorf war kaum noch bewohnt.

Industrialisierung – Feuerbach und die Eisenbahn

Bis 1846 die erste Eisenbahn in Feuerbach fuhr, lebte das Dorf hauptsächlich von Weinbau, Landwirtschaft und Steinbrüchen. Mit der Industrialisierung siedelten sich nun große Firmen wie Bosch an. Feuerbach wurde zur Stadt. In dieser Zeit wurden einige Wohnhäuser, die in die Architekturgeschichte als sogenannte Feuerbacher Häuser eingingen, gebaut. Markant ist dabei die Verwendung von rotem Backstein, die leicht mit der Eisenbahn nach Feuerbach geliefert werden konnten.

Festhalle Feuerbach, 1912, gebaut für die Gewerbe- und Industrieausstellung, Kärtner Straße

Mit dem Aufschwung kamen neben Wohnhäusern für die Arbeiter repräsentative Gebäude nach Feuerbach. Für die Gewerbe- und Industrieausstellung 1912 wurde zum Beispiel eine Festhalle auf dem ehemaligen Sumpfgebiet der Eyche im Neoklassizistischem Stil errichtet. Hier stellten ansässige Firmen ihre innovativen Produkte einer interessierten Öffentlichkeit vor. Wissenswert: Produkte aus Feuerbach waren gefragt. Das zeigt die Tatsache, dass der Lack für den Grundanstrich des Eiffelturms hier hergestellt wurde.

Feuerbachs österreichische Straßennamen

1933 wurde Feuerbach zum Stuttgarter Stadtteil. Als Geschenk an Hitler benannte man viele Straßen nach Österreichischen Städten, wie die Grazerstraße oder die Wienerstraße. Die „Hitlerstraße“ wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Glück in Stuttgarter Straße umbenannt.

Feuerbach und der Biber

An vielen Stellen Feuerbachs trifft man auf den Biber. Der Biber ist das Wappentier der Stadt, und kommt vom früheren Dorfnamen Biberbach. Deshalb findest du am Brunnen vor dem Rathaus oder an der Fassade des Leibniz Gymnasiums das fleißige Tier.

Fazit

Die Industrie spielt in Feuerbach nach wie vor eine große Rolle. Den Stadtteil bringt man mit Bosch, Mahle oder Leitz in Verbindung. Leider ist vom historischen Dorf Feuerbach nicht mehr viel zu erkennen und auch das mittelalterliche Stadtbild ist nur noch an wenigen Stellen erkennbar. Dennoch war ich überrascht, wie viele schöne Ecken es in Feuerbach gibt. Ein kleiner Stadtrundgang lohnt sich: In ganz Feuerbach findest du an insgesamt 70 historisch wichtigen Stellen Infotafeln, die dir helfen die Feuerbacher Geschichte kennen zulernen.

Vielen Dank an die vhs stuttgart, die Stadtführungen durch Feuerbach anbietet und bei der ich Einiges über den Stadtteil im Stuttgarter Norden lernen konnte: www.vhs-stuttgart.de
Eine informative Website zur Geschichte Feuerbachs findest du außerdem hier: https://www.feuerbach.de/historie/

TIPP: Wenn du lieber Feuerbachs „Untergrund“ erkunden willst, kannst du den Tief- sowie den Spitzbunker am Feuerbacher Bahnhof besichtigen. Im Tiefbunker ist ein Röhrenbunker 1:1 nachgebaut und mit originalen, zeitgenössischen Gegenständen ausgestattet. Regelmäßige Führungen bietet der Schutzbauten Stuttgart e.V. an. Mehr Infos findest du hier: http://www.schutzbauten-stuttgart.de/