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Jugend ohne Gott – Kammertheater Stuttgart

Der Roman „Jugend ohne Gott“ vom österreichisch-ungarischen Dramatiker Ödön von Horváth (1901–1938) erschien 1937 und wurde ein Jahr später von den Nationalsozialisten verboten. Im Kammertheater neben bzw. in der Neuen Stuttgarter Staatsgalerie wird er nun in einer Bühnenbearbeitung von Zino Wey und Gwendolyne Melchinger aufgeführt. Premiere war am 25. November 2018.

Handlung

Gereizt an dem Stück hat mich die Zeitlosigkeit der Handlung. Zwischen nationalsozialistischen Parolen, Gewalt, Einsamkeit und Angst lebt die „Jugend ohne Gott“ nur für die Gegenwart und denkt nicht an die Zukunft. Im Buch, wie auch im gleichnamigen Theaterstück, wird der Fokus auf einen Lehrer gesetzt, der zwischen zwei Welten steht. Zwischen der Welt, die er sie sich wünscht und der tatsächlichen. Von seinen Schülern wird er verachtet, mit Spitznamen wie Fisch und Neger bedacht. Als in einem militärischen Zeltlager, das die Schüler auf den Krieg vorbereiten soll, ein Mord an einem Mitschüler geschieht, wächst der innere Konflikt des Lehrers. Hat er sogar Mitschuld am Unglück? Er steht in der Verantwortung und möchte Gerechtigkeit. Bei der Gerichtsverhandlung sieht er sich schließlich zum Handeln gezwungen.

Das Kammertheater Stuttgart

Das Kammertheater in der Neuen Staatsgalerie, entworfen vom Architekten James Stirling, ist ein kleines Theater mit ca. 200 Sitzplätzen und einem bunt gemischten Publikum. Mir gefällt hier besonders die gute Sicht von fast allen Plätzen. Selbst in der letzten Reihe kannst du das Schauspiel ohne Störungen verfolgen und die Mimik der Darsteller/innen erkennen. Einziges Manko: Nach fast 2 Stunden werden die Sitze ziemlich unbequem 😉

Fazit

„Jugend ohne Gott“ im Kammertheater ist ein Stück ohne große Dialoge. Vielmehr wird die Einsamkeit der Figuren durch Monologe sowie Erzählungen widergespiegelt und die Körperlichkeit rückt in den Vordergrund. Sie haben keine Namen, sondern werden mit Buchstaben benannt. Auch das Bühnenbild ist kalt und spartanisch. Von der Decke hängende Stifte und Ketten suggerieren das Schulische, die Jugend. Der Roman wurde von Ödön von Horváth nach der Machtergreifung Hitlers geschrieben, dennoch ist das Thema (leider) zeitlos. Dies spiegelt sich auch im Bühnenbild und in der schlichten und einheitlichen Kleidung der Schüler wider. All das lässt eine genaue Zeiteinordnung offen. Man könnte das Stück genauso gut ins Nachkriegsamerika verlegen oder in die ehemalige DDR oder in die Gegenwart. Themen wie nationalsozialistische Parolen, die (nicht nur von der Jugend) nachgeplappert werden und der Hass gegen Menschen mit anderem Weltbild sowie gegen fremde Kulturen sind in jeder Epoche aktuell. All das regt zum Nachdenken an.

Fakten

Dauer: ca. 1:50h ohne Pause
Weiter Vorstellungen: 09., 10. und 11. März 2019
Weitere Infos und Tickets: https://www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/a-z/jugend-ohne-gott/