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Faszination Schwert – Die große Sonderausstellung im Landesmuseum

Im württembergischen Landesmuseum dreht sich seit Mitte Oktober alles rund ums Schwert. Und das nicht ohne Grund: Fasziniert es doch seit über 3000 Jahren die Menschen. Sagen, Mythen und Legenden ranken sich um das Schwert und seinen Träger. Noch bis zum 28. April 2019 kannst du auf 1.000 Quadratmetern rund 340 Objekte, darunter 142 Schwerter (davon 79 aus dem Bestand des Landesmuseums) sowie 114 Leihgaben sehen.
Vergiss nicht am Eingang einen kostenlosen Audioguide auszuleihen. 🙂

Die Ausstellung

Bidenhänder ©Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Hendrik Zwietasch

Das Landesmuseum präsentiert dir das Schwert aus verschiedenen Blickwinkeln und geht dem Phänomen der Anziehungskraft auf den Grund. Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Frage, woher diese Faszination Schwert kommt und wie sie sich in der Kultur- und Kunstgeschichte niederschlägt. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Mitteleuropa, doch es wird auch auf die ersten Schwerter im bronzezeitlichen Vorderasien des 4. Jahrtausends vor Christus eingegangen. Dort waren sie Waffe, Prestigeobjekt und Statussymbol. In der Ausstellung kannst du verschiedenste Schwerter entdecken, von bronzenen Vollgriffschwertern über römische Kurz- und alamannische Langschwerter bis zum Bidenhänder, dem frühneuzeitlichen Zweihandschwert. (Abbildung links)

Nach einem kurzen Prolog wird im ersten Teil des Rundgangs der Blick auf die frühen Schwerter und deren Entstehung gelenkt. Wurden sie im 2. Jahrtausend vor Christus  zunächst in Bronze gegossen, entstehen im Frühmittelalter geschmiedete Exemplare aus Damaszenerstahl. Du lernst gleich zu Beginn, welche Voraussetzungen ein gutes Schwert in der damaligen Zeit mitbringen musste und wie es gefertigt wurde.

Das Schwert ist übrigens die erste Waffe, die speziell zur Tötung anderer Menschen geschaffen wurde. Da die Herstellung sehr teuer und technisches Knowhow nötig war, galt es als Prestigewaffe der Elite. Klinge, Griff und Scheide wurden kunstvoll verziert und zeigten den Reichtum und das Ansehen des Besitzers.

Im weiteren Verlauf der Ausstellung wird deutlich, dass es ganz unterschiedliche Formen von Schwertern für den Kampf gegeben hat. Denn je nach Kampfweise, musste sich auch die Form verändern: Fußkämpfer und Reiter benötigten unterschiedliche Schwerter und es kam darauf an, ob eine Hieb- oder Stichwaffe gefragt war.
Auch die negativen Seiten des Schwertes werden thematisiert. Forensische Aufnahmen und Röntgenbilder von Kampfverletzungen sowie zeitgenössische Darstellungen und Berichte zeigen, was das Schwert beim Menschen anrichten kann.

Im sechsten Ausstellungsraum wird der Bogen zum Schwert als Propagandamittel gezogen. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wird es für den Kampf der Ideologien verwendet und in Filmen, Plakaten und Büchern verklärt. Ein kleiner Teil der Ausstellung zeigt auch das Thema der Schwerttragenden Frauen und deren Verehrung. Neben Amazonen– und Judithdarstellungen wird auch auf Jeanned’arc, die Jungfrau von Orléans eingegangen.

Der letzte Raum beweist, dass die Faszination auch in heutiger Zeit ungebrochen ist. Filmplakate und –ausschnitte sowie Merchandise zeigen, dass in Fantasyromanen, Computerspielen und Filmen des 20. und 21. Jahrhunderts das Schwert immer noch eine große Rolle spielt. Denk doch nur mal an Star Wars, Highlander oder Game of Thrones. 🙂 Und immer ist das Schwert im Kampf von Gut gegen Böse im Einsatz.

Das Schwert und seine Bedeutung

Prunkschwert Herzog Friedrich I. von Württ., um 1594 ©Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Hendrik Zwietasch

Neben dem Schwert als Tötungswerkzeug, hatte es noch weitere Funktionen. Es konnte der Repräsentation, Legitimation und als Symbol der Macht dienen. Für mich war die Tatsache neu, dass die Klinge auch als Geburtenregister, wie z.B. bei Herzog Friedrich I. von Württemberg (Abbildung rechts) oder als Träger eines Stammbaum, wie bei Friedrich I., Verwendung fand.

Auch als Richtschwert und zur Vollstreckung der Strafe kam es zum Einsatz. Selbst Justitia, die Personifizierung der Gerechtigkeit, wird mit einem Schwert in der Hand dargestellt. Manche Schwerter waren als Zauberwaffen bekannt und dienten dem Kult, Magie und Religion. Man fand einige Schwerter als Opfergaben in Mooren und sie konnte als rituelles Objekt dienen. Auch bei Heiligendarstellungen kannst du Schwerter entdecken, wie z.B. beim Erzengel Michael. Du siehst also: ein Schwert ist und war mehr als nur eine Waffe.

Gut gemachte Schwerter hatten schon immer eine große Bedeutung. So ist Markenpiraterie kein Phänomen der Neuzeit. Ab dem 9. Jahrhundert waren Schwerter mit den Marken ULFBERTH und INGELRII hoch geachtet. Doch neben den Originalen waren auch Fälschungen im Umlauf.

Multimedial und interaktiv

Gut gefällt mir, dass das Landesmuseum darauf achtet, eine Ausstellung nicht als starre und einseitige Wissensvermittlung zu gestalten. Du kannst neben Filmen, die dir die Produktion eines Schwertes vor 3000 Jahren erklären oder faszinierende Schwertkämpfe zeigen, auch selbst aktiv werden. Du wolltest schon immer mal wissen, wie schwer so ein Schwert sein kann? Kein Problem – hier kannst du es testen und es selbst in die Hand nehmen. Außerdem kannst du die Chance nutzen und dich zum Ritter schlagen lassen oder versuchen das sagenumwobene Excalibur aus dem Fels zu ziehen.

TIPP: Du möchtest mal selbst historischen Schwertkampf ausüben? Dann besuche doch mal die Gladiatores Stuttgart. 🙂

Fazit

©Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

Ich hatte mich im Vorfeld sehr auf die Ausstellung gefreut, denn auch ich bin der Faszination Schwert verfallen– und ich wurde nicht enttäuscht. Es ist schön eine Ausstellung zu besuchen, die einem zeigt, wie facettenreich der im ersten Moment simple Gegenstand „Schwert“ sein kann. Die Ausstellung ist abwechslungsreich aufgebaut und hat neben historischen Objekten auch Stationen zum selbst aktiv werden. Das abwechslungsreiche Rahmenprogramm zur Ausstellung gibt dir die Möglichkeiten die Faszination besser zu verstehen: Du kannst Schwertfechten und Schwertkampf ausprobieren oder den Workshop „Vom Stahl zur Klinge“ besuchen – ein Blick in den Veranstaltungskalender des Landesmuseums lohnt sich. Auf dem Youtube-Kanal des Landesmuseums kannst du dich mit unterhaltsamen Kurzfilmen auf die Ausstellung einstellen – selbst Darth Vader wirbt dafür: https://www.youtube.com/user/LMWStuttgart

TIPP: Wenn du den Bildband zur Ausstellung kaufen möchtest, dann mach das am besten direkt im Museum. Denn die Museumsausgabe kostet 14,95 €. Im Buchhandel zahlst du 19,95 €. (Erschienen im Theiss Verlag Darmstadt)

Eintritt: 9 € / ermäßigt 7 €, Kinder und Jugendliche 6 bis 18 Jahre 3,50 €

Mehr Infos unter www.schwert-stuttgart.de
Vielen Dank an das Landesmuseum Württemberg für die Bereitstellung der Fotos!