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Maria Stuart von Friedrich Schiller im Alten Schauspielhaus Stuttgart

Es kann nur eine geben

Als Schottland-Fan ist mir die Geschichte der beiden Frauen Maria Stuart, Katholikin und Königin von Schottland, sowie Elisabeth I., Protestantin und Königin von England, gut bekannt.
Auch wenn Friedrich Schiller mit seinem Werk „Maria Stuart“ (Uraufführung 1880 in Weimar) keine geschichtsgetreue Wiedergabe des Machtkampfes der beiden Königinnen zeigen wollte, erlebst du dank seinem wortgewandten Trauerspiels einen spannenden und mitreißenden Abend im Alten Schauspielhaus Stuttgart – noch bis zum 20.10.!

Schillers „Maria Stuart“ – Kurze Zusammenfassung der Handlung

Maria Stuart (Alina Rank), Königin von Schottland, wird der Beihilfe zum Mord an ihrem Mann verdächtigt und muss 1568 aus Schottland fliehen. Sie reist nach England und hofft auf den Beistand Elisabeth I. (Franziska Beyer), Königin von England. Da Maria in der Vergangenheit Ansprüche auf die englische Krone geltend gemacht hatte, lässt Elisabeth sie gefangen nehmen und einsperren – 19 Jahre lang. Was Maria noch nicht weiß: Ihre Gefangenschaft soll in einer Hinrichtung enden. Es fehlt nur noch Elisabeths Unterschrift auf dem Todesurteil.

Friedrich Schillers Drama beginnt während Marias Zeit im Gefängnis, ein paar Tage vor ihrer Hinrichtung. Trotz Inanspruchnahme des englischen Throns hat Maria in England Verbündete. So auch Mortimer (Fabian Oehl), der die Schottin befreien möchte. Er spielt ein waghalsiges Spiel und nimmt zum Schein einen Mordauftrag von Elisabeth an. Aber nicht nur er fährt zweigleisig. Auch der Graf von Leicester Robert Dudley (Robert Besta), eigentlich Elisabeths Geliebter, ist Maria verfallen. Er arrangiert nach einem Gespräch mit Mortimer ein Treffen der beiden Königinnen. Er erhofft sich eine versöhnliche Aussprache.

Doch das Treffen endet nicht gut: Elisabeth versucht Maria zu demütigen, beide beschuldigen sich gegenseitig der Heuchelei. Es geht so weit, dass Maria ihre Gegenspielerin als Bastard bezeichnet und ihre niedere Herkunft betont. Die beiden Frauen gehen im Streit auseinander und eine Versöhnung scheint unerreichbar.

Nach einem vereitelten Mordanschlag auf Elisabeth, begeht Mortimer Selbstmord. Elisabeth weiß, dass sie nun handeln muss und unterschreibt das Todesurteil Marias um ihren Thron zu retten. Jedoch möchte sie keine Schuld am Tot der Gegenspielerin haben und schiebt den Vollstreckungsbefehl anderen zu, woraufhin sie alle Vertraute und Berater verliert. Maria Stuart wird hingerichtet.

Inszenierung im Alten Schauspielhaus

Positiv überrascht hat mich die werkgetreue Inszenierung von Regisseur Martin Schulze, der mit Maria Stuart zum ersten Mal ein Stück am Alten Schauspielhaus umsetzt.
Das Bühnenbild, bestehend aus einer drehbaren Wand mit der Aufschrift „Mein Ende ist mein Anfang“ reicht vollkommen aus, lebt das Stück doch von Schillers wortgewandter und bildgewaltiger Sprache.

Fazit

Eine durchweg spannende und werkgetreue Inszenierung, die aufgrund des politischen Machtspiels so aktuell und modern zu sein scheint. Überzeugend gespielt, reist das Ensemble den Zuschauer mit. Mit Spannung erwartet man das entscheidende Zusammenkommen der starken Persönlichkeiten der beiden Königinnen.
TIPP: Bei diesem Stück solltest du deine Plätze im Parkett wählen. Oben auf der Empore kannst du leider nicht die ganze Raffinesse des Bühnenbildes wahrnehmen.

Die nächsten Vorstellungen:

Ab 09.10.2018 täglich um 20.00 Uhr. TIPP: Am 09. und 11.10. gibt es um 19.30 Uhr eine Stückeinführung.
Dauer: ca. 2 h 55 Minuten mit kleiner Pause.

Besetzung
  • Elisabeth: Franziska Beyer
  • Maria Stuart: Alina Rank
  • Robert Dudley: Robert Besta
  • Georg Talbot: Oliver Jaksch
  • Wilhelm Cecil: Gunnar Blume
  • Graf Von Kent / Melvil: Reinhold Weiser
  • Wilhelm Davison: Daniel Tille
  • Amias Paulet: Andreas Klaue
  • Mortimer: Fabian Oehl
  • Graf Aubespine: Karlheinz Schmitt
  • Hanna Kennedy: Ulrike Barthruff
  • Regie: Martin Schulze
  • Bühne und Kostüme: Pia Maria Mackert
  • Musik: Dirk Raulf
  • Dramaturgie: Axel Preuß

Infos und Karten.