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Der Meister von Meßkirch in der Staatsgalerie Stuttgart

Nach meinem letzten Ausstellungsbesuch im Kunstmuseum Stuttgart („Patrick Angus – Private Show„) kommt nun das Kontrastprogramm 🙂 : „Der Meister von Meßkirch“ noch bis 02.04. in der Staatsgalerie – die erste umfassende monografische Ausstellung des schwäbischen Künstlers mit sakralen Themen.

Wer steckt hinter dem Meister von Meßkirch?

Der Meister von Meßkirch war einer der bedeutendsten deutschen Maler der frühen Neuzeit. Der Künstler als Person lässt sich bis heute allerdings nicht sicher fassen und sein richtiger Name ist unbekannt. Die Bezeichnung „Meister von Meßkirch“ verdankt er seinem Hauptwerk, dem Altarzyklus der Pfarr- und Stiftskirche St. Martin in Meßkirch. Der herausragende Kolorist sakraler Themen war ausschließlich im oberschwäbischen Raum zwischen ca. 1515 und 1540 tätig. Obwohl sich im Württemberg des 16. Jahrhunderts fast flächendeckend die Reformation durchsetzte, blieb der Meister von Meßkirch dem altgläubigen Bekenntnis und dessen künstlerischen Umsetzung treu. Schnell vergisst man beim Betrachten seiner prachtvollen Werke, dass in dieser Zeit die Grundfeste der Katholischen Kirche erschüttert wurden: Luthers Lehren verbreiteten sich schnell durch Flugblätter und Holzschnitte in ganz Europa.
Man weiß nur wenig über die Ausbildung des Meisters, jedoch lässt sich erkennen, dass er sich mit Albrecht Dürers (1471-1528) Motivschatz auseinandersetzte. Ebenfalls finden sich Berührungspunkte zu Dürers Schülern Hans Baldung Grien (um 1484-1545) und Hans Schäufelein (um 1480/1485-1540), was die Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart schön herausarbeitet.

Die Ausstellung

Der „Meister von Meßkirch“ wird in der alten Staatsgalerie präsentiert. Was mir sehr gut gefällt: Der dortige Säulensaal wurde temporär in eine sakrale Stimmung versetzt, wobei seine drei Schiffe diese Atmosphäre verstärken. Bevor du die Ausstellung betrittst, wirst du im Treppenhaus mit einigen Tafeln über den Meister auf die Ausstellung eingestimmt. Empfehlenswert ist der von der Staatsgalerie Stuttgart produzierte Film „Der Fall Meßkirch“, den du dort anschauen kannst. Die Restauratorinnen Dipl.-Rest. Lydia Schmidt und Dipl.-Rest. Eva Tasch zeigen dir im Film ihre kunsttechnologischen Untersuchungen. Die wichtigsten Ergebnisse: Die Werkstatt des Meisters verwendete für die Unterzeichnungen Eisengallustinte und malte mit verschiedensten Farbmitteln. Überaus wichtig ist die Verwendung von Gold – es wurde auf und mit diesem gemalt. Die Köpfe der Figuren lassen sich in fünf Gesichtstypen einteilen, die immer wieder für die Darstellungen von Heiligen verwendet wurden.

TIPP: Der kunsttechnologische Blick auf das Werk des Meisters ist sehr interessant und führt zum besseren Verständnis der damaligen Werkstattarbeit. Du kannst den Film übrigens auch bequem zu Hause anschauen: https://www.staatsgalerie.de/ausstellungen/meister-von-messkirch.html

Die Ausstattung der Kirche St. Martin von Meßkirch

Ausstellungsplakat Staatsgalerie Stuttgart, „Der Meister von Messkirch“, Mittelteil des Hochaltars von St. Martin in Meßkirch, „Die Anbetung der Heiligen drei Könige“, 1535/38

Wenn du den Säulensaal betrittst, wirst du in eine sakrale Atmosphäre gehüllt. Ausgestellt ist hier die Kirchenausstattung der Kirche St. Martin von Meßkirch, die dem Meister seinen Namen verlieh.
Die Werke, die einst für diese Kirche entstanden, wurden im Laufe der Jahrhunderte in der ganzen Welt zerstreut. Die Ausstellung bringt diese nun wieder zusammen und versucht die einstigen 12 Altäre zu rekonstruieren. Dafür werden sogar Seitenkapellen im Ausstellungsraum angedeutet. Insgesamt kannst du im Säulensaal 72 ganzfigurige Heilige entdecken. Das Highlight und den Abschluss bildet das Altarbild, welches die Staatsgalerie als „Titelbild“ für die Ausstellungsplakate und -flyer verwendet: Der ehemalige Hochaltar von Meßkirch (1535/38), der im Fluchtpunkt des Säulensaals aufgestellt ist. Im Mittelteil des Altars ist die Anbetung der Heiligen drei Könige zu sehen.
Wenn du die Heiligendarstellungen der Kirche St. Martin betrachtest, musst du dir bewusst sein, dass in der Reformationszeit nur noch sehr selten Gold und opulente Farben verwendet wurde. Der Meister von Meßkirch bleibt aber der katholischen, prachtvollen Bildsprache treu! Im Säulensaal kannst du außerdem die im Film definierten Charakterköpfe in den zahlreichen Heiligendarstellungen entdecken.

Die Bildsprache der Reformation: Gothaer Tafelaltar

Mit reformatorischen Darstellungen befasst sich der linke Flügel der Ausstellungsräume. Im Gegensatz zum Meßkircher Altar ist hier der ursprünglich aus Stuttgart stammende „Gothaer Tafelalter“ (1538) aus der Werkstatt Heinrich Füllmaurer ausgestellt. Heute befindet sich der Altar im Schloss Friedenstein in Gotha. Für die Ausstellung wurde dieser ausgeliehen und in der Staatsgalerie so aufgebaut, dass du fünf „Bildwände“ mit 160 Darstellungen betrachten kannst – das bilderreichste Werk der Zeit.
Vergleichst du diesen mit den Altarbildern von Meßkirch fallen dir die vielen Schriftkartuschen auf, die jede einzelne biblische Geschichte auf Deutsch beschreiben. Darstellungen mit erklärendem Text sind typisch für die Reformationszeit und wurden von Luther befürwortet. Die Ausstellung stellt hier die beiden Altäre – reformatorisch und katholisch – gegenüber. Auffällig ist, das trotz aller Gegensätze beide Konfessionen die Bildsprache der anderen studierte. Untypisch sind beim Gothaer Altar dabei die prächtigen Goldbodüren, wie sie in der katholischen Bildsprache vorkommen. Der Meister von Meßkirch hingegen bringt bei manchen seiner katholischen Heiligen für die Reformation typische Schriftkartuschen an.

Reformatorische Lehren und katholische Pracht

Neben den beiden bedeutenden Altären aus Meßkirch und Gothar, zeigt die Ausstellung auch den Konflikt zwischen Reformation und Papsttum. Im 16. Jahrhundert entbrannte der Streit um die „wahre“ christliche Lehre: Heiligendarstellungen wurden Infrage gestellt und als Götzenbilder verspottet, was im sogenannten Bildersturm gipfelte. Zahlreiche künstlerisch und historisch wertvolle Kirchenausstattungen wurden von Luthers Anhängern zerstört. Beispiele kannst du in der Ausstellung sehen – aus heutiger, kunsthistorischen Sicht schmerzt es diese zerstörten Bilder zu sehen. Den Heiligen wurden zum Beispiel die Augen durchstochen und zerkratzt, andere Werke komplett vernichtet. Die Ausstellungsstücke aus dieser Zeit, geben einen tieferen Einblick in diese Auseinandersetzung. Es werden auch Werke bedeutender Künstler, die der lutherische Lehre folgten gezeigt, wie z.B. Gemälde von Lucas Cranach.

Fazit:

Es ist faszinierend, dass die Herkunft und die genaue Identität des Meister von Meßkirch ein Rätsel ist – und das, obwohl er spätestens seit den 1530er Jahren eine gut organisierte Werkstatt mit zahlreichen Mitarbeitern führte. Denn nur so ist die hohe Zahl der erhaltenen Werke mit unterschiedlichen Ausführungsmerkmalen zu erklären.Vor allem das handwerkliche Können des Meisters begeistert: Die Stofflichkeit der Gewänder und die prachtvollen Farben stehen für sein bedeutsames Schaffen. Für den Ausstellungsbesuch solltest du Interesse an Kirchengeschichte und Heiligendarstellungen haben – sonst könnte es sein, dass du den überaus zahlreichen Heiligen schnell müde wirst. 🙂
Schwerpunkt der Ausstellung ist die Ausstattung von St. Martin in Meßkirch (1535 – 1540), die die einstige katholische Pracht mit 72 Heiligen in kostbar gekleideten Gewändern und jeder Menge Gold präsentiert. Als Gegenstück und gleichzeitig als Hauptwerk reformatorischer Kunst, zeigt die Staatsgalerie den Gothaer Altar (1538). Mit unglaublichen 162 Darstellungen gilt dieser als bildreichstes Werk der Altdeutschen Malerei. Er wurde einst für das Stuttgarter Schloss geschaffen und kehrt nun nach 369 Jahren in seine Heimat zurück. Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn für Ausstellungen Werke wieder vereint werden, die heute in der ganzen Welt verstreut sind – die Landesausstellung „Der Meister von Meßkirch“ macht es möglich!

Alle Infos zur Ausstellung findest du hier.

Öffnungszeiten an Ostern: Karfreitag geschlossen, Karsamstag, Ostersonntag und Ostermontag von 10.00 – 18.00 Uhr geöffnet.

Eintritt: inkl. Sammlung 12 € / ermäßigt 10 €, (11,50 € / 9,50 € ohne Sammlung)

TIPP: Vom 1. bis 31. März 2018 erhalten alle Besucher mit einem gültigen VVS-Ticket zwei Eintrittskarten zum Preis von einer – also sei schnell! 😉