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Ein Sonntag im Zeichen der Orgel – Führung und Konzert an der HMDK Stuttgart

Einmal im Monat öffnet das Institut für Orgel und historische Tasteninstrumente der Musikhochschule Stuttgart ihre Türen. Die Führung durch die Sammlung von Orgeln in verschiedenen, historischen Stilen findet Sonntags statt und entführt dich in die klangvolle Welt der Orgel. Auch für Nicht-Organisten ist die Sammlung einen Besuch wert!

 

Das Institut

Musikhochschule Stuttgart, nach Entwurf von James Stirling

Etwa 60 Studierende von denen mehr als ein Drittel aus dem Ausland stammen, können hier die Studiengänge Kirchen- bzw. Schulmusik und Künstlerische Ausbildung studieren. Das Institut ist aufgrund der internationalen Präsenz der Lehrenden weit über Deutschland hinaus bekannt. Viele Preisträger bedeutender, internationaler Orgelwettbewerbe stammen von der Stuttgarter Musikhochschule. Um 1980 war das Institut die erste Ausbildungsstätte in Deutschland, in der das Wissen der historischen Aufführungspraxis umgesetzt wurde.

Mehr Infos zum Institut findest du hier: https://www.hmdk-stuttgart.de/unsere-hochschule/fakultaeten-und-institute/fakultaet-iii/institut-fuer-orgel-und-historische-tasteninstrumente/

 

Führung durch die Orgelsammlung

Die Sonntags-Führung inklusive Konzert im Februar war ein Geburtstagsgeschenk für eine Freundin, die selbst Orgel spielt. Ich persönlich wusste nicht viel über das Instrument und war sehr gespannt auf das, was auf uns zukommt. Ich war überrascht wie viele Besucher bei der Führung, die von einem Organisten der HMDK durchgeführt wurde, teilnahmen. Aufgrund eines kleinen Missverständnisses musste er die Führung unerwartet übernehmen und improvisieren. Aber Improvisation ist für Musiker ja kein Problem! 😉
Zu Beginn wurden drei „Barock“-Orgeln gezeigt, die in Deutschland, Frankreich und Italien erbaut wurden und liebevolle Spitznamen tragen: Die sensible Strenge aus dem Norden, die gemütvolle Elsässerin und La Signora. Die Herkunft der Orgeln kann man tatsächlich beim Spielen heraushören, denn angelehnt an die jeweiligen Sprachen klingen sie entweder wie hartes „schreibmaschinen-ähnliches“ Deutsch, näselndes Französisch oder wie klangvolles Italienisch. Nach kurzen Erklärungen worin die Unterschiede und Besonderheiten der verschiedenen Orgeln liegen, wurden alle drei Instrumente für uns angespielt.

Kurzinfos:
  • La Signora: Dabei handelt es sich um ein originales Instrument, das gegen Ende des 18. Jahrhunderts von einem anonymen Meister gebaut wurde und aus einer abgerissenen, venezianischen Kirche stammt. Sie ist die einzige spielbare Orgel, die wirklich als historische Orgel in Stuttgart gelten kann. Eine kleine Kabinettorgel im Württembergischen Landesmuseum ist übrigens etwas älter als das Exemplar in der Musikhochschule.
  • Die Strenge aus dem Norden: Der Klang der Orgel scheint sich dem Norden angepasst zu haben. Bei falschem Anschlag wirkt er wacklig, fast windig. Sie ist bei den Studenten gefürchtet, weil man sehr viel Feingefühl beim Spielen an den Tag legen muss. Gebaut wurde die Orgel 1997 nach Vorbild eines bedeutenden, norddeutschen Orgelbauer des Barock, Arp Schnitger.
  • Die gemütvolle Elsässerin: Für den französischen Orgelbau ist es typisch ein Rückpositiv zu haben, sodass der Organist die Registerzüge im Rücken hat. Die zwei keilförmigen Blasebälge, die für die Windversorgung zuständig sind, kannst du in einem separaten Verschlag links neben der Orgel sehen.

Die 1,5 stündige Führung beinhaltet neben den drei genannten Orgeln, die Vorführung und Erklärung weiterer Orgeln mit klangvollen Namen. Insgesamt befinden sich 10 Exemplare in der Sammlung der HMDK. Für Nicht-Organisten kann die Führung zunächst etwas verwirrend sein, denn es werden viele Fachbegriffe verwendet: Zungenregister, Disposition (Registerzusammenstellung), Manual, Récit,….
Aber keine Angst: Am Ende der Führung kannst du selbst als Laie Einiges zum Thema mitnehmen und das Instrument besser verstehen.

In der Sammlung befinden sich neben den Orgeln außerdem mehr als 20 Cembali, Clavichorden und Hammerflügeln, die im Zusammenhang mit der Orgelführung nicht gezeigt werden. Alle Orgeln der Sammlung, kannst du dir online anschauen und tolle Infos entdecken: https://www.hmdk-stuttgart.de/unsere-hochschule/orgelsammlung/

 

Orgelkonzert im Konzertsaal
Konzertorgel im Konzertsaal im Turm, Musikhochschule Stuttgart

Im Anschluss der Führung (Beginn: 15:30 Uhr) kannst du um 17:00 Uhr das Orgelkonzert im Konzertsaal im Turm besuchen. Dieses wird von Studenten der Musikhochschule gestaltet und dient auch zur Konzertexamensprüfung. Gespielt wird auf der Konzertorgel (Rieger-Orgel), der sogenannten Chamäleon.
Bei dem von uns besuchten Konzert im Februar wurden Stücke von Johann Sebastian Bach, César Franck, Johannes Brahms, Harald Feller und Thierry Escaich gespielt, wobei die fortgeschrittenen Studierenden ihr Können unter Beweis stellten. Spannend fand ich, dass ich als Besucher Teil eines Konzertexamens sein durfte und den Studenten die Daumen drücken konnte – die eine super Leistung präsentierten.

 

Fazit

Der Orgel-Sonntag mit Führung durch die Sammlung inkl. Konzert in der Musikhochschule Stuttgart ist eine gute Möglichkeit mehr über das Instrument sowie dessen Eigenschaften zu lernen und einen Einblick in das Institut zu bekommen. Auch als Nicht-Organist lohnt es sich an der Veranstaltung teilzunehmen und in die Orgel-Welt einzutauchen. Ein schöner Abschluss nach der Führung ist das darauffolgende Orgelkonzert von Studierenden der HMDK.

Die nächsten Termine:
15.04., 13.05. und 10.06.
Eintritt:
Führung durch die Orgelsammlung: 6 Euro
Orgelkonzert am Sonntagnachmittag: 6 Euro

Alle Infos und Termine: https://www.hmdk-stuttgart.de/veranstaltungen/veranstaltungskalender/veranstaltung//ansicht/uebersicht/