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Groteske Familiengeheimnisse – Arsen und Spitzenhäubchen Schauspiel Stuttgart

Jede Familie hat ihre ganz eigenen wahnsinnigen Geheimnisse. Manche haben ein zerwühltes Verhältnis zueinander, manche gehen eigenartigen Hobbies nach: Bei Familie Brewster ist es das Morden und Leichen verschwinden lassen.

In Joseph Kesselrings Theaterstück „Arsen und Spitzenhäubchen“ lässt das Schauspiel Stuttgart die Zuschauer  an der skurrilen Geschichte der Brewsters noch bis zum 15. März teilhaben. Lachen erwünscht!

 

Zwei nette Damen und 11 äh… 12 Leichen

Familie Brewsters ist ganz eindeutig durchgeknallt. Vor allem das Morden liegt in der Familie. Da wären…

  • die älteren Schwestern Martha (Marietta Meguid) und Abby (Rahel Ohm), die mit ihrem mörderischen Holunderwein ältere Herren von ihrer Einsamkeit  erlösen – natürlich nur zu wohltätigen Zwecken,
  • ihr Neffe Teddy (Sebastian Röhrle), der überzeugt ist, der Präsident der Vereinigten Staaten zu sein. Im Keller hebt er den Panama-Kanal aus, in welchem die beiden Schwestern ihre Opfer vergraben,
  • ihr anderer Neffe, der Theaterkritiker und -hasser Mortimer (Manolo Bertling), der im Vergleich zu den anderen Familienmitgliedern recht normal zu sein scheint,
  • sowie der dritte Neffe: Jonathan (Christian Schneeweiß). Er, ein international gesuchter Mörder, lässt sich von seinem Kompagnon, dem Chirurgen Dr. Einstein (Astrid Meyerfeldt) regelmäßig ein neues Gesicht verpassen.

 

Es scheint ein ganz normaler Tag zu sein, die beiden Schwestern sitzen mit dem Pfarrer am Tisch und unterhalten sich über ihren Neffen Mortimer und die Pfarrers Tochter Elaine (Lea Ruckpaul), bei welchen sich eine Liebelei anbahnt. Von den 11 bzw. 12 ermordeten Männern im Keller (da sind sich die Schwestern nicht ganz einig) ahnt bis jetzt noch niemand etwas. Bis Mortimer die frische Leiche eines älteren Herren in der Truhe der Damen entdeckt. Nun nimmt die Geschichte ihren Lauf. Als wäre ein Toter nicht genug, taucht Mortimers Bruder Jonathan zusammen mit Dr. Einstein in der Familienvilla auf – und sie sind nicht bereit wieder zu gehen. Auch sie haben eine Leiche im Gepäck, die schnellstens „entsorgt“ werden muss. Die Geschichte ist so skurril, dass selbst die Polizei sie nicht glaubt,… Doch wo soll der Wahnsinn hinführen?

 

Markaber, skurril und durchgeknallt

So liebe ich Geschichten! 🙂 Das Stück lebt von schnellen Wortwechseln, Grimassen und schrägen Aufschreien – und nicht zuletzt von der Ansprache zum Publikum. Um die Anspielungen zu US-Präsidenten Trump kommt man beim verrückten Teddy nicht herum. Markaber, aber sehr lustig, sind die Szenen in denen die Leichen (ganz offensichtlich Puppen) beim „entsorgen“ an Fenster- und Türrahmen geknallt werden – Slapstick, der so schräg ist, dass man einfach lachen muss. Ich bin froh, dass das Bühnenbild und die Kostüme nicht in die heute Zeit versetzt wurden, sondern einen nostalgischen und knallbunten Touch haben, was im Kontrast zur Handlung eine fröhliche Stimmung erzeugt.

Joseph Kesselrings Krimikomödie „Arsen und Spitzenhäubchen“ ist ein Klassiker. Sie wurde 1941 in New York uraufgeführt und 1944 verfilmt. Die Umsetzung des Schauspiel Stuttgart verspricht einen lustigen Abend mit einer mörderischen Geschichte, die man nicht allzu ernst nehmen darf. Ein Theaterstück, nach welchem man nicht noch Tage danach über die Handlung sinniert, aber eines, dass durch Humor, lustige Dialoge und durchgeknallte Figuren besticht. Auf der Bühne ist der Wahnsinn los!

 

Dauer: ca. 2:10 Stunden – (Es gibt keine Pause)

Weitere Vorstellungen:

Mo., 19.02.2018
Mi., 07.03.2018
Do., 15.03.2018
https://www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/arsen-und-spitzenhaeubchen/

Regie: Jan Bosse
Dramaturgie: Kathrin Spira
Premiere war am 10. Juni 2017 im Schauspielhaus