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Lichterglanz, Budenzauber und Glühweinduft – Weihnachtsmarkt Stuttgart

Ich liebe die Weihnachtszeit in Stuttgart: Überall glitzern Lichter, es duftet nach gebrannten Mandeln und Glühwein und die Atmosphäre fühlt sich irgendwie heimelig an. Seit gestern (29.11.) lädt der alljährliche Stuttgarter Weihnachtmarkt wieder zum Schlemmen, Shoppen und Feiern ein. Aber hat der Weihnachtsmarkt etwas mit Kunst & Kultur zu tun? Definitiv – schließlich ist er einer der ältesten Weihnachtsmärkte Europas, bietet ein tolles musikalisches Rahmenprogramm und hält für Antiquitäten-Fans kleine Schätze bereit!

 

Eine kleine Reise durch die Geschichte des Stuttgarter Weihnachtsmarkts

Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt gehört zu den ältesten in Europa! Alles begann damit, dass Herzog Ulrich von Württemberg 1507 ein Marktprivileg aussprach und der Stadt Stuttgart das Standgeld an Jahrmärkten überließ. In diesem Zuge wird ein Pferdemarkt erwähnt, aus welchem sich später ein Jahrmarkt und schließlich der Christkindleinmarkt entwickelte. Das 16. und 17. Jahrhundert war sehr unruhig, immer wieder fand der Markt aufgrund von Krieg und Seuchen nicht statt. Trotzdem setze sich dieser bis heute durch.
Die Aufsicht des historischen Christkindleinmarktes hatten die Marktmeister. Diese bekamen als Lohn sechs Batzen am Tag und einen Morgen- und Zwischentrunk. Da wir Schwaben schon damals sehr korrekt waren, wurde in einer Anweisung von 1644 genau festgehalten, wie die Marktbuden aufgestellt werden mussten. Nämlich so, dass sie vier Gassen bildeten, Buden mit gleicher Ware mussten nebeneinander stehen.

1692 wurde der Stuttgarter Weihnachtsmarkt erstmals in einer Urkunde als solcher erwähnt. Der Markt im 18. Jahrhundert sah etwas anders aus als heute. Damals sorgten Seiltänzer, Gaukler und Zauberer sowie exotische Tiere wie Elefanten, Tanzbären und Tiger für ein buntes Treiben. Wie auf vielen Märkten der damaligen Zeit, gab es Stände, an denen man kleinere Operationen durchführte. Hatte man Zahnschmerzen, konnte man sich hier den Zahn einfach ziehen lassen. Erstaunlich: 1850 kamen schon etwa 1.200 Händler auf den Stuttgarter Weihnachtsmarkt um ihre Waren zu verkaufen.

Mit Beginn des 20. Jahrhundert wurden neue technische Geräte, wie Modelleisenbahnen und Grammofone in den Buden angeboten. Während dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wollten die Stuttgarter nicht auf ihren Weihnachtsmarkt verzichten, auch wenn es aufgrund von Einsparungen keinen Weihnachtsbaum gab. In den Jahren nach dem Krieg fand der Weihnachtsmarkt vor den Ruinen des Alten Schlosses statt, verkauft wurde hauptsächlich das Vorkriegssortiment, Leckereien wie Waffeln und Lebkuchen waren für viele Besucher kaum bezahlbar.

In den 1970er Jahren wurde der Stuttgarter Weihnachtsmarkt für den Tourismus wichtig. Die noch heute typischen Holzbuden mit aufwändiger Dekoration kamen in dieser Zeit auf und der Markt wuchs zu seiner heutigen Größe heran.

Du möchtest alle Infos zur Geschichte des Stuttgarter Weihnachtsmarkt haben? Dann lade dir das informative PDF von in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft mbH & Co. KG hier herunter.

 

Der Weihnachtsmarkt heute

Weihnachtsbaum auf dem Schlossplatz

Heute kommen jedes Jahr rund 3,5 Millionen Besucher in unsere Schwabenmetropole und erfreuen sich an den mehr als 290 Ständen. Angeboten werden Krämermarktartikeln, Kunsthandwerk, Schmuck, Leckereien aus aller Welt, Holzspielzeug und vieles mehr. Auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt ist für jeden etwas dabei: Neben zahlreichen Konzerten ist das Kindermärchenland mit nostalgischem Karussell, einer echten Mini-Dampflok zum Mitfahren und vielen Mitmachaktionen ein kleines Highlight. Skandinavien-Fans kommen im Finnnischen Weihachtsdorf auf ihre Kosten. Ich persönlich freue mich jedes Jahr auf den Antikmarkt auf dem Karlsplatz. Der blau funkelnde Weihnachtsbaum auf dem Schlossplatz ist mit seinen 25 Metern einer der höchsten Christbäume Deutschlands! Die LED-Lichterketten mit ca. 40.000 Lämpchen haben eine Länge von fast 6 Kilometern. Der Stern an der Spitze ist 2,5 Meter groß.

 

Antikmarkt: Kunst und Kitsch

Eingang zum Antik- & Sammlermarkt

Den Antikmarkt auf dem Karlsplatz gibt es nun schon seit einigen Jahren. Wenn dir (wie mir) bei Antiquitäten und funkelndem Schmuck das Herz aufgeht, bist du hier genau richtig. Der Markt findet in einem großen, beheizten Zelt statt, in welchem rund 20 Händler große und kleine Schätze präsentieren. Hier ist von Schmuck, über alte Bücher bis hin zu Porzellan alles dabei.
TIPP: Das beheizte Antikzelt ist super für einen Zwischenstop zum Aufwärmen und Stöbern. Du hast zuhause einen tollen Dachboden- oder Kellerfund? Hier kannst du ihn zu bestimmten Terminen kostenlos schätzen lassen. Eine Liste der 2017 anwesenden Händler findest du hier.

 

Weihnachtliche Ausstellung 

Falls du weitere Antiquitäten bestaunen möchtest, oder dich für altes Spielzeug interessierst, solltest du im zweiten Obergeschoss des Stuttgarter Rathauses vorbeischauen. Dort findest du die Ausstellung „Spielzeug aus dem letzten Jahrhundert“ mit Ausstellungsstücken aus der Zeit von 1900 bis 1950. Das Spielzeug stammt aus der Privatsammlung Giuseppe Ricucci. Besonders schön sind die mit dem Spielzeug liebevoll dekorierten, nostalgischen Szenen.

 

Musikalisches Rahmenprogramm

Auch in diesem Jahr gibt es  im Innenhof des Alten Schlosses sowie auf der Treppe vor dem Rathaus täglich Konzerte. Verschiedene regionale Chöre, Musikvereine und Bands sorgen für Weihnachtsstimmung. In der Stiftskirche kannst du dich von Orgelmusik verzaubern lassen: Insgesamt 19 abwechslungsreiche Programme zur Advents- und Weihnachtszeit werden gespielt. Alle Infos findest du hier.

 

Mein Weihnachtsmarkt-Fazit

Dekoration auf einer Holzbude

Zugegeben, der Stuttgarter Weihnachtsmarkt kann auch anstrengend sein: Man drückt sich durch die Menschenmassen vorbei an den Ständen und der Eisbahn des Wintertraums Stuttgart, sieht an vielen Buden dasselbe wie auf jedem anderen Weihnachtsmarkt auch… Auf den zweiten Blick erkennt man jedoch die Besonderheiten. Nimm dir dieses Jahr Zeit, auch die kleinen Dinge zu entdecken: Kopf hoch – Hast du dir wirklich schon einmal die aufwendigen Holzdekorationen der einzelnen Budendächer angeschaut, während du dich zu deinem Glühwein durchgekämpft hast? Auch die historische Kulisse macht den Weihnachtsmarkt besonders: Das Alte Schloss, der Schillerplatz, die Stiftskirche und das Neue Schloss sehen im Glanz der Lichter noch schöner aus. Schau dir die nostalgische Spielzeugausstellung im Rathaus an oder durchstöber den Antikmarkt auf dem Karlsplatz. Verpasse auch nicht die tollen weihnachtlichen Konzerte.
Du reist extra zum Weihnachtsmarkt nach Stuttgart an und hast Zeit für ein bisschen Sightseeing? Dann schau dir doch mal den Artikel Tipps: Zu Besuch in Stuttgart – die Kulturhighlights an.

 

Öffnungszeiten Stuttgarter Weihnachtsmarkt:
29. November 2017 – 23. Dezember 2017
Montag bis Donnerstag: 10 – 21 Uhr
Freitag bis Samstag: 10 – 22 Uhr
Sonntag: 11 – 21 Uhr
Sonderöffnungszeiten: 16 Dezember (Lange Einkaufsnacht): 10 – 22.30 Uhr